Leseprobe Unsterbliche: Jäger

Hier eine kleine Leseprobe zu den Jägern 🙂

Unsterbliche: Jäger

Prolog

 Das Atmen wurde schwerer, je schneller sie rennen musste.

Und sie musste schnell sein, ihre Kraft schwand. Entfernt konnte sie schon die Lichter einer größeren Straße sehen. Dort würden Menschen sein, Hilfe und Licht. Im Moment bedeutete Licht die Rettung. Hinter ihr ertönte wieder das Knurren ihres Jägers, bedrohlich und ein tödliches Versprechen klang darin. Sie würde die Straße nicht erreichen. Die beiden tiefen Schnittwunden in ihrem Bauch schwächten sie, ihre braunen Haare hingen nass und strähnig in ihr Gesicht, ihre Augen schienen Mühe zu haben, sich auf einen Punkt zu konzentrieren. Zwei ihrer Zähne waren ausgeschlagen, sie schmeckte das Blut in ihrem Mund, metallisch und ekelerregend. Taumelnd fiel sie hin, die Hände vor sich, um den Sturz abzumildern. Verzweifelt versuchte sie aufzustehen, jeder Atemzug eine Qual aus Schmerz und Verzweiflung. Sie sollte schreien, um Hilfe rufen, aber das Blut, welches ihren Mund füllte, verhinderte dies ebenso, wie die Schmerzen in ihrer Körpermitte. Dunkle Flecken schoben sich vor ihr Sichtfeld, je mehr Blut sie verlor. Plötzlich war er über ihr, die silbrigen Augen zu einer bösen Grimasse verzogen, kalter Hass spiegelte sich darin.

„Du wirst der Anfang sein“, knurrte das dunkle Wesen über ihr.

Die nahezu menschlichen Züge konnten das Monster in ihm nicht überdecken. Sie spürte etwas an ihrer Kehle und plötzlich wurde es warm. Sie bekam keine Luft mehr. Sie konnte nicht mehr Schreien.

Der letzte bewusste Blick galt dem Wesen über ihr, das triumphierend immer näher kam…

 

Cat, London, heute, 2038

Wie immer, wenn ich in London aus dem Flughafen kam und in ein Taxi stieg, hasste ich diese Stadt. Ich lebte schon so lange hier, ich hatte das Recht diesen Ort zu hassen. Mir hatte sie zu Zeiten Heinrichs des VIII mehr zugesagt, obwohl damals der Gestank schlimmer war. Aber der heutige Smog war auch nicht viel besser, jedoch hatte der damalige Gestank zumindest etwas Ursprüngliches gehabt. Heute fühlte ich mich hier weniger zuhause als je zuvor. Spätestens seit dem Bau des London Eye ging es mit der Stadt bergab. Zahllose Touristen drängelten sich am Flughafen, und ich war erleichtert Richtung Kensington unterwegs zu sein, freute mich auf mein kleines, viktorianisches Häuschen. Wenigstens dort war die Welt noch in Ordnung. Sobald ich die Tür zu meinem Haus hinter mir zuzog, konnte ich abschalten. Der letzte Auftrag war schwierig gewesen, eine Hetzjagd zwischen Regenwald und den urbanen Metropolen in Mittelamerika, ständig zwischen den Schauplätzen wechselnd, von Slums zum Dschungel. Natürlich keine schwierige Jagd, aber anstrengend. Der Vampir hatte keine Chance gehabt, als ich ihn erwischte. Ein kleiner Pfeil mit einem extra synthetisierten Enzym aus einem Blasrohr, und er war verbrannt. Ich bedauerte die Toten, die er auf seiner Reise hinter sich gelassen hatte, unzählige hübsche junge Frauen, die zum Teil nicht mal vermisst werden würden.

Ich seufzte auf. Ich hatte nichts gegen Vampire, wenn sie sich an die Spielregeln hielten. Die meisten taten es, ich ja auch. Aber einige gerieten außer Kontrolle und dann wurde ich gerufen, um sie zu erledigen. Sie riefen immer mich. Wer sonst sollte es tun?

Zuhause fütterte ich Nigel, meine Siamkatze, und bedankte mich artig bei meiner Nachbarin, die das die letzten zwei Wochen erledigt hatte. Nigel war genauso unabhängig wie ich, deshalb mochte ich ihn. Während ich mein Businesskostüm aufs Bett warf und mir einen gemütlichen Sweatanzug über zog, überlegte ich, Darius anzurufen. Ich konnte es genauso gut jetzt hinter mich bringen. So verhinderte ich wenigstens einen seiner aufgeregten Anrufe am frühen Morgen. Er akzeptierte es nicht, wenn andere Wesen seinen Tageszyklus nicht teilten. Als ich die italienische Nummer wählte, meldete sich Lucia, seine Sekretärin.

„Hi, hier ist Catherine. Ich möchte Darius sprechen.“

Allein mein Name reichte aus, um mich sofort durchzustellen.

„Hi Cat, Liebes. Hast du ihn erwischt?“

Ich seufzte. Immer die gleiche sinnlose Frage. Wenn ich ihn nicht erwischt hätte, würde ich nicht anrufen, dann wäre ich entweder noch auf der Jagd oder tot. Jäger zu sein war in unserer Welt gleichbedeutend mit Besessenheit.

„Würde ich sonst anrufen?“

Er lachte. Sein italienischer Akzent wirkte übertrieben. Die meisten wussten nicht, dass Darius nur schon lange in Italien lebte, als er jedoch vor 650 Jahren in Barcelona erschaffen wurde, war er Spanier gewesen. Zeiten änderten sich, Identitäten ebenfalls. Mittlerweile wurden kaum noch neue Vampire erschaffen, wir waren durch die veränderten Umstände, die hervorbrechende Technologie, vorsichtiger geworden und unsere Zahl blieb begrenzt. Vereinzelt wurden Gefährten geschaffen, aber nur wenige unserer Art hatten das Talent zur Langlebigkeit. Die meisten drehten schlicht und ergreifend nach ein paar Jahrzehnten oder spätestens Jahrhunderten durch. Ich selbst war eine der ältesten, die ich kannte.

Ich war mittlerweile seit 1488 auf dieser Erde, und ich hasste sie immer mehr. Ich sehnte mich nach anderen Zeiten zurück, obwohl ich die Annehmlichkeiten der modernen Welt sehr wohl schätzte. Mit dem Schiff nach Südamerika war es zu Zeiten Kolumbus noch eine ganz andere Reisedauer gewesen, als mit einem bequemen Transatlantikflug in der ersten Klasse.

Ich war abgelenkt und hatte nur halb zugehört.

„…also dachte ich, du könntest das übernehmen.“

Ich bat ihn den letzten Satz zu wiederholen und entschuldigte mich mit Jetlag. Immerhin war ich seit zwei Wochen unterwegs. Ich brauchte ein wenig Schlaf und Ruhe, aber auch unsere Rasse benötigte Pausen.

„Ich fragte, ob du eventuell, wo du gerade in London bist, eine komische Mordserie untersuchen könntest?“

„Ich werde es mir ansehen, schick mir die Daten rüber. Aber erst mal werde ich schlafen. Ich bin seit zwei Wochen unterwegs. Ich wollte mich nur kurz melden und dir Bescheid geben.“

Er lachte auf, verabschiedete sich und ich legte auf. Ich zog mich auf die Couch zurück, liess die Rollos mit der Fernbedienung herunter und war in Minutenschnelle eingeschlafen.

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war ich erholt. Der Mythos, dass Vampire in Särgen schlafen mussten oder nur tagsüber schliefen war genauso falsch wie vieles andere über meine Spezies. Wir waren auch nicht mehr gefährlich für die Welt, zumindest gab nur selten einer von uns seiner Blutgier nach. Die wenigsten mochten diesen Teil der Existenz und wir konnten uns auch von menschlicher Nahrung ernähren. Natürlich würde es immer ein paar geben, die ich eliminieren musste, die die Spielregeln der Zivilisation nicht beachteten und die unsere so sorgsam geschützte Existenz bedrohten. Aus dem Badezimmer-Spiegel sah mir mein bleiches Gesicht entgegen. Die feuerroten Haare kringelten sich in langen Locken und meine blasse Haut war noch etwas bleicher als sonst. Die schwarzen Augen sahen müde aus, tiefe Schatten lagen darunter. Ich spritzte mir kaltes Wasser ins Gesicht und putze mir die Zähne. Natürlich alle, auch die Fangzähne, die man nicht sah. Einige unserer Art hatten diese chirurgisch entfernen lassen.

Dafür hatte ich kein Verständnis. Wir waren keine Menschen und mich hatten die Jahrhunderte eines gelehrt: Man wusste nie, was noch kommen konnte.

Ich würde keine Waffe freiwillig hergeben, die mir die Natur oder die Kreatur, die mich verwandelt hatte, gegeben hatte. Menschen sahen die Fangzähne nur selten, das Prinzip funktionierte wie bei einer Schlange. Wir waren äußerlich nicht von der breiten Masse zu unterscheiden, wir jedoch erkannten uns immer. Es war wie ein elektromagnetisches Feld, das nur wir wahrnehmen konnten und für Menschenaugen verborgen blieb.

Nicht, dass ich oft mit Meinesgleichen Kontakt pflegte, es gab ein oder zwei Pflichtveranstaltungen im Jahr, auf denen man sich traf, ich hatte ein oder zwei Bekannte, aber London war meine Heimat und ein Dreh- und Angelpunkt in unserer Welt. So kam es immer wieder vor, dass ich andere traf, und die meisten, gerade jüngere Vampire, hielten nichts von vornehmer Zurückhaltung. Auch ein Grund, sich nach anderen Zeiten zu sehnen.

Mit einem Kaffee, in Jeans und Shirt und barfuß setzte ich mich an meinen Laptop. Darius, der für unsere Welt eine Art Hüter war, hatte mir Mordakten zu zwei unterschiedlichen Fällen aus der jüngeren Zeit in London gesendet. Ich las die erste Akte und verstand sofort, was ihm daran aufgefallen war. Zu viel Blut der Frau war vergossen worden, oft ein Hinweis auf einen Vampir. Zurückhaltung war im Blutrausch keine der Stärken meiner Rasse. Eher das Gegenteil war der Fall. In meinem Gedächtnis waren alle Fakten der bisherigen Fälle wie in Aktenschränke einsortiert und dieser erinnerte mich an etwas. Aber damit würde ich mich später befassen. Die zweite Akte war nicht viel besser. Darius musste den Computer der Londoner Polizei gehackt haben, ich hatte sogar die ausführlichen Autopsie Berichte erhalten. Auch hier war viel Blut vergossen worden, die Bilder waren schrecklich und der Mensch musste gelitten haben, bevor er starb. Sollte das ein anderer Mensch getan haben, war es Sache der Polizei. Wir mischten uns nicht ein, wenn es keinen unserer Art betraf.

Ich schaute mir nochmal die Bilder der Tatorte an. Irgendetwas kam mir daran bekannt vor. Die Art, wie die erste Leiche lag, die durchtrennte Halsschlagader, die Stiche in den Unterleib, das alles hatte ich schon einmal gesehen. Aber das war lange her. Ebenfalls hier in London. Es musste sich um eine zufällige Ähnlichkeit handeln… es war einfach unmöglich.

1888 war er entkommen, warum sollte er bis heute warten, um erneut zu morden? Unwahrscheinlich und zu weit hergeholt. Vermutlich war es nur ein menschlicher Nachahmungstäter, die gab es häufiger. Trotzdem würde ich mir die Tatorte persönlich ansehen, dann würde ich es genau wissen. Ich sendete Darius eine Mail und teilte ihm mit, dass ich die Nachforschungen aufnahm. Ich bat ihn zudem, mir alle Daten über die Frauen und über die leitenden Ermittler zu beschaffen. Es kam gelegentlich vor, dass sich meine Wege mit den ihren kreuzten. Meist gab ich mich als Reporterin aus, meinen Presseausweis der Times hatte ich genauso immer dabei wie einen weiteren Ausweis von der Pathologie. Ich hatte eigentlich Ausweise für jede Gelegenheit. Wichtig war nur, immer zu wissen, welche man mitnehmen musste. Ich zog mich um, wenn an einem der Tatorte noch etwas los war, musste ich wie eine seriöse Reporterin auftreten. Dazu war es oft nötig, mir viel Mühe zu geben. Meine Verwandlung fand statt als ich 19 Jahre alt war, und obwohl das lange Leben mich gezeichnet hatte, war ich äußerlich kaum in der Lage, mehr als fünf Jahre älter als 19 auszusehen. Das war der ärgerliche Teil, da ich oft nicht ganz ernst genommen wurde. Deshalb verzichtete ich auch darauf, mich als studierte Pathologin auszugeben und bevorzugte den Reporterausweis. Ich musste glaubwürdig wirken und unauffällig bleiben. Also zog ich mir ein schwarzes Kostüm mit einer weißen Bluse an, steckte die Haare zu einem strengen Dutt nach oben und setzte mir eine große Brille mit schwarzem Rand auf die Nase. So wirkte ich älter.

Ich fuhr mit der U-Bahn, mit dem Auto in London unterwegs zu sein, war die letzten Jahre auch immer unmöglicher geworden. Die Stadt war zu einer fleischfressenden Pflanze geworden, die alle Lebewesen aus dem Umland verschlang. In der U-Bahn hatte ich meinen Freiraum. Obwohl wir von den Menschen äußerlich nicht zu unterscheiden waren, spürten sie unsere Existenz, ihr Unterbewusstsein warnte sie vor der Gefahr. Aber die Menschen verloren diese Fähigkeit immer mehr. Was Ärzte und Forscher als längst vergangene, unnütze Instinkte betrachteten, waren die wichtigsten Informationen, die die Natur ihnen mitgegeben hatte. Aber Menschen, gerade moderne Menschen, hingen nicht am Leben. Eine Spezies, die freiwillig Risiken einging, um den Körper zu zwingen, Adrenalin auszuschütten und das als Sport bezeichnete, war für mich unverständlich. Ich stieg rechtzeitig aus und ging eine Station zu Fuß bis Whitechapel. Ich mochte diesen Stadtteil, obwohl er einst zu den am dichtesten besiedelten Gebiet der Erde gehört hatte. Aber gegen heute kamen einem 73000 Menschen auf so einer Fläche fast wie Platzverschwendung vor. Ich ging vorsichtig in Richtung des Tatortes, er lag nur einige Querstraßen von der Durham Street entfernt. Warum hatte der Täter, sollte es ein Nachahmungstäter sein, nicht den Originalschauplatz gewählt?

Diese Frage beschäftigte mich, und so folgte ich meinem Instinkt und ging erst zu Bucks Row, wie die Durham Street für mich immer noch hieß. Ich war einfach nicht in der Lage zu verstehen, warum man Straßen umbenannte. Als ich in der Bucks Row ankam, sah ich dass der ehemalige Tatort, an dem heute noch ein Erinnerungsschild für Touristen hing, momentan von einer städtischen Baustelle blockiert wurde. Das würde den anderen Tathergang erklären, den anderen Fundort. Ich verdrängte die aufkommende Vision der damaligen Tat und wandte meine Schritte dem heutigen Tatort zu. Es wurde Zeit mich davon zu überzeugen, wer oder was die Menschen in diesem Jahrhundert tötete. Jack würde ich heute nicht erwischen, aber dass er mir damals entkommen war, nagte noch immer an mir. Zu viele Nachahmungstäter hatte ich über die Jahrhunderte gesehen und war dem Monster von Whitechapel nie mehr nahe gekommen. Sollte er noch leben, wovon ich ausging, würde ich ihn diesmal nicht davon kommen lassen. Dann wäre die Sache persönlich. Und dann würde es die Jagd werden, auf die ich seit über einem Jahrhundert gewartet hatte.

 

Zügig ging ich zum Tatort, nachdem ich die Vergangenheit in der Bucks Row zurück gelassen hatte. Jetzt galt es herauszufinden, ob es sich um einen menschlichen Nachahmungstäter handelte, woran ich eigentlich keinen Zweifel hatte. Zu viele dieser Tatorte hatte ich schon besucht, viele Opfer waren, trotz der Polizeiberichte, nicht mal annähernd in derselben Weise getötet worden, wie das erste Opfer von Jack.

Ich ging zu dem beschriebenen Platz, die Tat war einige Tage her und für menschliche Augen war hier nichts mehr zu sehen. Ich jedoch sah die Blutspuren, die am Boden noch schwach für mich leuchteten. Blut nahmen wir anders wahr als die Menschen, konnten selbst Reste oder alte Spuren gut sehen. Ich stellte mich in die Nähe des Tatortes, klappte mein Handy auf und tat so, als würde ich versuchen, jemand zu erreichen. Jetzt musste ich meine Gabe einsetzen. Ich mochte es nicht besonders, aber wenn ich mich konzentrierte und an einem solchen Ort stand, erschienen die Geschehnisse vor mir, als würden Geister die Szenerie betreten. Ich konnte nur die Tat sehen, meine Fähigkeit erstreckte sich lediglich auf das eigentliche Verbrechen. Während dieser kleinen Visionen war ich gefangen, fast reglos und verwundbar.

Ich hatte mir deshalb angewöhnt, beschäftigt auszusehen. Nichts fiel mehr auf als ein Mensch, der plötzlich regungslos verharrte und konzentriert minutenlang auf eine Stelle starrte. Mit dem Telefon am Ohr atmete ich tief durch, legte den Kopf leicht nach hinten und gab die mentale Kraft, die ich einsetzen musste, frei…

 

London, einige Tage zuvor

 Es war dunkel, eine einsame Gasse zwischen hohen Häuserfronten. Das Kopfsteinpflaster war feucht und glänzte im Mondlicht. Eine Frau taumelte an der Hausmauer entlang. Wo immer ihre Hand die Wand streifte, blieben feuchte Stellen zurück. Sie war mittleren Alters, einfach gekleidet und trug eine Handtasche, die sie in diesem Moment achtlos fallen ließ. Es sah aus, als ob sie sich kaum noch auf den Beinen halten konnte. In der schwarz-weiß gezeichneten Szenerie wirkte sie als einzige etwas farbig. Hinter ihr kam ein Knurren, bedrohlich und tief, aus der Dunkelheit. Sie taumelte weiter, während ihr heller Mantel sich vorne mit unschönen roten Flecken füllte. Sie blutete aus zwei Stichwunden in ihrem Bauch. Auch aus ihrem Mund lief ein wenig Blut und sie bekam einen dunklen Bluterguss auf dem Kinn. Wer immer der Angreifer war, er hatte ihr erst ins Gesicht geschlagen. Wahrscheinlich waren einige Zähne betroffen. Plötzlich hielt die Frau keuchend an und sank fast langsam und friedlich auf die Knie. Eine dunkle Gestalt näherte sich, behände und geschmeidig in ihrer Bewegung, und beugte sich über die sterbende Frau. Ihre Augen waren aufgerissen und entsetzt starrte sie in das Antlitz des Angreifers, ihr Gesicht zu einer Maske des Grauens verzogen. Dieser erhob eine Hand, die Fingernägel waren lang und bleich, und machte eine fließende Bewegung abwärts. Ein leises Gurgeln kam von der am Boden liegenden Frau, es klang endgültig. Ein Bein zuckte noch etwas, dann lag sie still. Die Halsschlagader pumpte noch, ihr Herz schlug noch, aber das Blut floss nun aus der weit aufgeschnittenen Kehle. Das Wesen beugte sich über die Frau und senkte seinen Mund auf die Wunde …

Entsetzt schauderte ich. Diese Szene kannte ich. Was da eben wie ein alter Stummfilm vor mir abgelaufen war, unterschied sich fast nicht von dem, was ich in 1888 gesehen hatte, es war nur ein anderes Opfer und eine andere Zeit. Ich merkte, wie in meiner Kehle ein aggressives Knurren aufstieg und meine Fangzähne von innen unangenehm gegen meine Lippen drückten. Ich hob die Hand vor den Mund. Da ich Passanten um mich hatte, zwang ich mich mit aller Macht, dieses Geräusch zu unterdrücken und meine Aggressivität zu kontrollieren. Wir waren Raubtiere und unsere Instinkte waren stark, aber ich hatte genug Beherrschung für diesen Kraftakt.

Ich hatte den Angreifer nicht erkennen können, nur seinen Rücken gesehen. Aber dass er ein Vampir war, war sicher. Und ich kannte ihn, ich hatte schon einmal gesehen wie er fast den gleichen Mord begangen hatte, ich musste ihn zu fassen bekommen. Es war kein Nachahmungstäter, es war derselbe, den die Menschheit als Jack the Ripper kannte. Mir wirbelten Fragen im Kopf herum. Ich musste nicht nur rausfinden, wer dieser geheimnisvolle Vampir war, ich musste auch herausbekommen, wie er mir vor über einem Jahrhundert entwischen konnte. Und warum tauchte er gerade jetzt wieder auf? Warum konnte ich sein Gesicht nicht erkennen?

Ich würde nie seine Augen vergessen, aber ich musste sein Gesicht sehen, um ihn zu finden. Bei allen Visionen erkannte ich die Angreifer, sah ihre Gesichter und prägte sie mir ein. Nur dieser Täter war die große Ausnahme. Ich brauchte mir den zweiten Tatort heute nicht mehr anzusehen, ich hatte meine Antwort bekommen. Es war definitiv kein menschlicher Nachahmungstäter. Ich musste umgehend Darius informieren.

Ich fuhr mit einem Taxi nach Hause, ich hatte keine Zeit für die U-Bahn. Ein Gefühl, welches mir selten unterkam. Ich griff noch im Mantel zum Telefon und betätigte die Kurzwahltaste.

„Gib mir Darius“ herrschte ich Lucia an. „Schnell!“

Darius meldete sich sofort.

„Jack ist zurück.“

Die Stille am anderen Ende der Leitung war bezeichnend. Darius war nicht dafür bekannt, nach Worten zu suchen.

„Bist du sicher?“ fragte er nach einem kurzen Moment der Verblüffung.

„Ja.“

Meine Stimme war ein heiseres Knurren und ich war angespannt.

„Wir müssen ihn fassen. Noch so eine Mordserie können wir uns nicht leisten. Es sind zwei Opfer bisher, dabei muss es bleiben.“

Ich stimmte zu.

„Ich kann sein Gesicht immer noch nicht sehen, er bleibt mir verborgen. Dieser Täter blockiert irgendwie meine Gabe.“

Darius wusste, von was ich redete. Es gab nicht viele Jäger, aber alle arbeiteten für den Hüter. Und damit für die Gemeinschaft. Darius kannte unsere dunkelsten Geheimnisse.

„Dann brauchst du Hilfe. Ich schicke Pharrell zu dir.“

Ich stutzte. Normalerweise arbeiteten Jäger alleine, was unserer Natur geschuldet war. Vampire waren Raubtiere und Einzelgänger. Es gab zwar einige Clans oder Familienverbände, aber darüber hinaus suchten wir nicht zwingend ständig Gesellschaft.

„Ich kriege das alleine hin.“

Ich war ungehalten, weil er mir einen Babysitter an die Seite stellen wollte, und bemühte mich nicht, dies zu verbergen.

„Hierbei gehe ich kein Risiko ein. Pharrell ist erfahren und er schuldet mir einen Gefallen. Ich möchte nicht, dass es so endet wie letztes Mal.“

Diesen Seitenhieb musste ich mir leider gefallen lassen, 1888 hatte ich Jack fast gestellt, aber er griff mich an. Ich kam nur knapp mit dem Leben davon, und die Augen meines Angreifers verfolgten mich heute noch, auch wenn ich den Rest seines Gesichtes damals nicht sehen konnte. Es dauerte lange, bis ich mich nach meiner Begegnung mit Jack erholt hatte. Auch deshalb wollte ich alleine jagen. Es war persönlich. Wütend legte ich auf. Ich musste mehr Informationen bekommen.

 

Pharrell Davis, Quebeck, Holiday Inn

Das Handy klingelte und ich griff müde und verschlafen danach. Der blonde Schopf auf dem Kissen neben mir sah im Licht des beginnenden Tages nicht mehr so attraktiv aus, wie gestern Abend in der Bar. Mein Kopf dröhnte. Unsterblich oder nicht, jede Menge Alkohol verursachte jede Menge Kopfschmerzen. Wir brauchten zwar mehr Drinks, um einen Rausch zu bekommen, aber das war nur eine weitere Herausforderung für mich, der ich mich gern und ausgiebig stellte.

Ich sah auf das Display. Darius Marra. Es war vor acht Uhr morgens, er wusste, dass ich vor elf Uhr an keinem Tag meines Daseins Gespräche annahm. Entweder ging die Welt unter, dann würde ein Anruf daran nichts ändern, oder er wollte testen, ob mein Vorsatz noch stimmte.

Freund hin, Freund her, aber daran hielt ich fest. Bestimmte Dinge hielt ich konsequent durch, und Gewohnheiten von sieben Jahrhunderten würde ich nicht ändern.

Ich drückte das Gespräch weg. Kurz darauf rief er wieder an und das Klingeln begann mich zu nerven. Ich drehte mich zu der kleinen Blonden um und weckte sie auf.

„Du musste gehen, Sweetheart. Gleich.“

Sie murrte, zog sich aber an. Sie warf mir einen bitterbösen Blick zu und verschwand aus meinem Hotelzimmer, nicht ohne die Tür laut ins Schloss zu werfen. Bedauernd sah ich ihr hinterher. Es wäre nett gewesen, noch ein wenig Spaß mir ihr zu haben, aber mit einem nervenden Hüter im Rücken hätte ich es eh nicht genossen.

Wütend nahm ich beim fünften Versuch von Darius den Anruf entnervt an. Der Jäger in mir war neugierig, der Vampir in mir stinksauer.

„Ich hoffe, du hast einen wirklich guten Grund!“, knurrte ich in den Hörer, während ich mir meine Hose anzog.

Darius schwieg einen Moment, was ungewöhnlich war. Verärgert fuhr ich mir mit der Hand durch die wilden schwarzen Haarsträhnen, die mir ins Gesicht fielen.

„Du fliegst in einer Stunde nach London. Ich habe einen Auftrag für dich.“

Ich lachte hart auf.

„Darius, du weißt, ich fliege nicht in die alte Welt, nach Europa setze ich keinen Fuß mehr. Wer immer dort sein Unwesen treibt, ich bin ein Neue-Welt-Jäger. Ich war seit über vier Jahrhunderten nicht auf diesem verfluchten Kontinent, und ich werde das heute sicher nicht ändern. Ich bleibe in Amerika.“

„Jack ist in London.“

Ich fuhr hoch und meine Augen weiteten sich. Er war in London? Verfluchter Mist. Also lebte er noch.

„Welcher Flug?“ fragte ich wütend und aufgebracht.

Ich suchte auf dem Hotelschreibtisch nach einem Stift und notierte mir die Nummer des Fluges und die Abflugzeit.

„Ich sende dir die Unterlagen, auch über Catherine York, mit der du zusammenarbeiten wirst.“

Ich wurde langsam richtig wütend.

„Ich arbeite allein. Schick diese Catherine in die Wüste. Ich erledige das.“

Darius lachte heiser auf.

„Du schuldest mir noch einen Gefallen, alter Freund. Cat ist schon länger an Jack dran als du, und du wirst diesmal mit ihr zusammen arbeiten müssen. Anordnung des Rates.“

Wütend beendete ich die Verbindung ohne eine Antwort für meinen, jetzt in Ungnade gefallenen, Freund. Ich zog mir ein T-Shirt an, nahm die kleine Reisetasche und ging zur Rezeption, um auszuchecken.

Drei Brüche mit jahrhundertealten Traditionen an einem Morgen. Ich brauchte dringend einen Drink… oder zwei.

Auf dem Weg zum Flughafen verfluchte ich meine Entscheidung, ans Telefon gegangen zu sein und hoffte, dass die Bordbar gut bestückt war. Wenn es wirklich Jack war, überlegte ich, würde ich ihn alleine jagen. Dieser verfluchte Unsterbliche hatte keinen Tag länger auf diesem Planeten verdient. Ich würde seinen Hintern von dieser Welt befördern, denn nachdem ich ihn in konfettigroße Stücke gerissen hatte, würde er brennen.

Am Flughafen ging ich in den Waschraum der ersten Klasse und spritze mir etwas kaltes Wasser ins Gesicht. Es war einfach zu früh, mein Schädel dröhnte. Die schwarzen Augen, die mir über dem struppigen drei-Tage-Bart entgegen sahen, hätten eindeutig noch ein wenig Erholung gebraucht. Ich hatte jetzt eine Woche ohne Schlaf durchgezecht und heute Nacht das erste Mal die Augen zugemacht. Im Gegensatz zu Menschen machten meinem Körper der Alkohol und der Schlafentzug nichts aus. Naja, fast nichts. Mein Kopf dröhnte immer noch.

Ich versuchte die Ewigkeit in Scotch zu ertränken, wenn ich nichts zum Jagen hatte, und es gelang mir recht gut. Beziehungen mit anderen meiner Art ging ich bewusst aus dem Weg. Die meiste Zeit war ich jagen, Darius wusste, ich würde nie einen Auftrag ablehnen. Jetzt musste ich ihn nur noch davon überzeugen, mir diese Cat vom Hals zu halten. Ich hasste andere Vampire noch mehr als die Monster, die ich zur Strecke brachte.

Die waren wenigstens berechenbar. Durchgedrehte, instinktgesteuerte Vampire waren etwas, was ich kannte und mit dem ich umgehen konnte. Und was sie taten, entsprach unserer animalischen Natur, die wir seit ewigen Zeiten unterdrückten.

Vor allem weibliche Vampire waren die Pest. Ich hatte allerdings noch nie von einem weiblichen Jäger gehört, normalerweise hielt Darius unsere Identitäten geheim.

Er musste sehr beunruhigt sein, wenn er ein Zweierteam bilden wollte. Ich wusste nur, dass Jäger wie ich außergewöhnliche Fähigkeiten hatten, und der Jagdinstinkt unserer Rasse bei uns stark ausgeprägt war. Jäger hatte ihre Instinkte dicht unter der Oberfläche ihres zivilisierten Wesens.

Trotz der Tatsache, dass ich lieber alleine war, musste ich eine gewisse Neugier zugeben. Noch nie zuvor war ich einem anderen Jäger begegnet. Es gab fünf Jäger auf der ganzen Welt, soviel wusste ich. Kennen gelernt hatte ich keinen einzigen und Darius hatte nie erwähnt, wo sie sich aufhielten oder was sie taten.

Ich warf einen letzten Blick in den Spiegel, schnitt mir eine schiefe Grimasse und ging zum Wartebereich der ersten Klasse. England. London. Ein weiblicher Jäger. Jack.

Wie viel schlimmer konnte es noch kommen?

Das Flugzeug war nur halb voll und in der ersten Klasse herrschte fast gähnende Leere. Nur drei weitere Mitreisende saßen hier und ich suchte mir einen Platz weit weg von ihnen. Ich versuchte zu schlafen, aber es gelang mir nicht.

Ich war bei meinem dritten Drink und versuchte, die Unruhe in mir in den Griff zu bekommen. Ich hatte begonnen, die Daten, die Darius mir gemailt hatte, zu studieren. Seit Stunden versuchte ich schon, aus den Informationen schlau zu werden.

Ich war wütend auf ihn. Diese erste Mordserie aus 1888 hatte er mir nie gezeigt, auch nicht, als ich Jack selbst gejagt hatte. Er hatte nur gesagt, dass er den Killer unter dem Namen Jack kennen würde und mich blindlings losgeschickt. Hätte ich damals diese Informationen gehabt, hätte ich ihn vielleicht gestellt.

Diese Tatsache trug nicht dazu bei, dass ich mich beruhigte. Lediglich die nette Rückenansicht der Stewardess konnte mich ein wenig ablenken. Sie war nicht abgeneigt und ich flirtete offen mit ihr. Ich hasste London, da wäre es doch vorteilhaft, die erste Nacht ein wenig Ablenkung zu haben. Aber das würde das erste Treffen mit dieser Cat bestimmt nicht einfacher machen.

Darius hatte mir ein kurzes Exposé gesendet, zusammen mit den Fallakten. Eine ziemlich langweilige Person, strenge Frisur, rote Haare, nichtssagend. Das einzige, was für sie sprach, war ihr hohes Alter. Alleinstehend. Also eine alte, frustrierte Jungfer auf Kreuzzug gegen die eigene Rasse. Es gab nur wenige alte Vampire, die ich leiden konnte. Eigentlich gab es überhaupt nur wenige Wesen, die ich mochte, und noch weniger davon waren Vampire.

Sie waren arrogant, überheblich und festgefahren. Unsere ganze Gesellschaft war ein verstaubter Haufen rechthaberischer Egozentriker. Kein Wunder, dass da manche schlicht und einfach durchdrehten. Wir waren lebende Wesen, die mit tief verwurzelten Instinkten versuchten, in einer zivilisierten Gesellschaft nicht aufzufallen. Das konnte einen schon verrückt machen.

Die kleine Stewardess brachte mir einen weiteren Scotch und ich genoss die Aussicht auf ihr Dekolleté, als sie den Drink abstellte. Sie zwinkerte mir zu. Eindeutig nicht abgeneigt, dachte ich zufrieden. Ich schenkte ihr ein träges Lächeln und sah, wie ihr das Blut in die Wangen schoss.

Ich würde dieser kleiner frustrierten Jägerin auch ein wenig meiner Aufmerksamkeit schenken, und wenn sie mir verfallen war, würde ich sie leicht lenken können. Ich wirkte auf die meisten Frauen anziehend, warum also nicht auch auf diese Jägerin? So würde ich sie loswerden, einfach und schnell. Und dann würde ich Jack stellen. Er würde mir nicht noch einmal entkommen. Darius hatte mir für den Aufenthalt in London sein Appartement zur Verfügung gestellt, eine unerwartete und seltene Geste. Er wusste, ich hasste alles an der alten Welt. Und London hasste ich besonders. Trotzdem war ein kleiner Teil von mir neugierig auf das moderne England und die Stadt, die ich in so unguter Erinnerung hatte.

Obwohl ich in Schottland geboren war, hatte ich einige Zeit in London gelebt. Die längste Zeit hatte ich im Tower verbracht. Als Gast der englischen Obrigkeit.

Träge beobachtete ich die Stewardess, während meine Gedanken um England, die Jagd auf Jack und um die Jägerin kreisten. Es war das erste Mal, dass ich sozusagen einen Kollegen treffen würde. Darius nahm nur Vampire für diesen Job, die 100 Jahre überlebt hatten und von denen er glaubte, sie würden weitere Jahrhunderte überdauern. Es machte keinen Spaß, Zeit und Energie in junge Vampire zu stecken, und eine Ausbildung zum Jäger dauerte mitunter Jahrzehnte. Und auch wenn man schon Jäger war, man trainierte und lernte immer weiter.

Über eine so lange Zeit Wesen der eigenen Art zu töten war anstrengend und belastend. Immer sah man, in welche Gefahr wir durch unsere eigenen Instinkte und Bedürfnisse kommen konnten. Und die Jahrhunderte selbst rauschten in stetiger Gleichförmigkeit an uns vorbei.

Ich hielt dieses Leben auch nur aus, weil ich es mit Alkohol und Sex in der Waage hielt. Viele Unsterbliche hatten dauerhafte Partnerschaften, aber die Frauen unserer Spezies hatten die unglückselige Angewohnheit, zynisch und streitlustig zu werden, je älter sie wurden. Also war das nichts für mich. Und eine Gefährtin würde meinem Lebensstil auch nicht entgegen kommen.

Ich hoffte, dass die Jägerin nicht auch so ein verkorkstes Exemplar einer weiblichen Schreckschraube war. Langweilig und unausstehlich, das wäre die Kombination, die aus meiner Jagd einen unangenehmen persönlichen Albtraum machen konnte.

Ich hörte die leise Durchsage des Kapitäns, wir waren im Landeanflug auf London. Ein Schaudern überlief mich. Aus dem Fenster konnte man schon die Lichter der Stadt sehen. Ich hatte mir geschworen, nie mehr einen Fuß nach England zu setzen.

Der Flieger landete planmäßig, ich hatte kein Gepäck außer meiner schwarzen Reisetasche. Meinen Laptop legte ich achtlos oben drauf, trank gemütlich meinen Scotch leer und verließ als letzter das Flugzeug.

Sollte die Rothaarige ein wenig warten, das würde sie Geduld lehren. Lässig schnappte ich mir die Tasche und die niedliche Stewardess deutete mein Verweilen im Flieger falsch, sie steckte mir ihre Telefonnummer zu, weil sie dachte, darauf hätte ich gewartet. Ich überlegte, sie heute noch anzurufen. Ablenkung, falls diese Cat mich nerven würde.

Langsam verließ ich das Flugzeug, ging durch die Kontrollen und mein Blick schweifte über die wartenden Personen.

Ich sah sie nicht. Darius hatte mir gesagt, dass ich abgeholt werden würde. Ärger stieg in mir auf, sie war wahrscheinlich aus taktischen Gründen noch später erschienen als ich.

Hinter mir trat plötzlich eine Gestalt aus dem Schatten eines Pfeilers, klein und zierlich. Ich spürte sie sofort und verfluchte mich, dass ich nicht besser aufgepasst hatte. Ich hatte wohl doch einen Scotch zu viel.

Die Hexe war mir in den Rücken gefallen und hatte mich überrascht. Zornig drehte ich mich um, aber der Vampir, der vor mir stand, hatte keinerlei Ähnlichkeit mit dem nichtssagenden Bild aus dem Exposé.

Sie hatte wilde rote Locken, die sich bis auf den Rücken ergossen, schwarze Augen und war ungewöhnlich bleich. Ihr Gesicht hatte etwas sanftes, fast kindliches, was im Gegensatz zu ihrem wachen Blick stand. Volle Lippen, traumhafte Figur, registrierte ich überrascht. Das schwarze Wollkleid, die lange Strickjacke und die hohen Stiefel verrieten einen exzellenten und exklusiven Geschmack. Ich war überrascht und verblüfft.

Ihre Augen weiteten sich einen Moment, als sie mich musterte. Alles an ihr wirkte beherrscht und kontrolliert. Dann blickte sie mich kalt an, während ein höfliches Lächeln auf ihren Lippen erschien.

„Pharrell Davis?“ fragte sie mit einer so rauen und sanften Stimme, dass mir unwillkürlich ein Schauer über den Rücken rannte.

Ich würde Darius umbringen und wenn ich heute sonst noch nicht genug Grund dafür hatte, dann für das miese Bild aus dem Exposé. Das würde schwieriger werden, als geplant, aber es würde an meiner Absicht, sie loszuwerden, nichts ändern. Ich nickte nur auf ihre Frage und sie deutete zum Ausgang. Verwundert registrierte ich, dass keine Fragen folgten.

Sie stellte sich auch nicht vor. Ohne ein weiteres Wort schwebte sie förmlich dem Parkhaus entgegen. Das würde definitiv interessant werden.

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